Achja… wir waren schon ein paar tolle Hechte… damals (Anfang/Mitte der Neunziger)! Wir aus der Tracker- und Demo Scene .
Nein, das hatte weder was mit Landwirtschaftsgeräten noch mit Wackersdorf zu tun, sondern vielmehr mit einer ganz eigenen Subkultur, die sich mit Computer-Kunst beschäftigte.  

Da gab es die Coder, die es schafften in wenigen Zeilen Assembler Code unter Umgehung des Grafikkarten-Treibers einen Star-Wars-Scroller zu programmieren oder in wenigen kb Code die sogenannten Intros und Demos zauberten, die immer wieder, das unmögliche möglich machten und schon lange vor der Gaming-Industrie die 3. Dimension auf den Bildschirm brachten;

die GFX-Artists, die auf ihren AMIGA`s mit Pixel-Grafik-Programmen Graffiti oder Manga Style Grafiken erstellten;

3D Artists, die mit der mickrigen Rechenpower, die damals zur Verfügung stand fantastische Raytracing-Bilder erzeugten;

die Organizer, die Festivals wie Mekka & Symposium, Assembly und Gathering etc. zustande brachten um die ganze Szene zu freundschaftlichen Wettkämpfen zusammen zu trommeln und die gesammelten Releases auf CD-ROMs unters Volk brachten (so wie meine Groovy Bytes CD-ROM; demnächst mehr);

FasttrackerII

Ein ganz entscheidender Grund, warum sich das Module Format damals verbreitete, war die schlanke Dateigröße. Im Prinzip handelte es sich um eine Sequencer-Datei (wie MIDI) mit den verwendeten Instrumenten-Samples und Vocals (eher weniger, die waren zu groß) dabei. Die meisten Tracks waren zwischen 500kb und 1MB groß und somit auch mit langsamen Modem-Verbindungen zu übertragen. Hatte ich erwähnt, dass es sowas wie Internet quasi noch gar nicht gab? Schwer vorzustellen, aber wahr. Wir hingen in Mailboxen rum, in die sich immer nur so viele Leute gleichzeitig anmelden konnten, wie Telefonanschlüsse frei waren. Heute kaum noch vorstellbar.
Da es noch keine effizienten Audio-Kompressionsverfahren wie MP3/AAC/OGG gab, wäre ein Musiktitel mit 5min ca. 50MB groß gewesen (WAV Format, Stereo) und damit absolut nicht übertragbar mit einem 14.4er oder 19.200 Baud Modem (wer Elite (1337) war, hatte natürlich ein Zyxel Modem, die waren eine Spur schneller, dank Kompression).
Vor ein paar Tagen hat mich über openBC ein alter Freund aus dieser Zeit angesprochen und das gab mir Anlass mich mit meiner Vergangenheit und dieser wirklich erfahrungsreichen Zeit auseinander zu setzen. Mit meinen Aktivitäten in der Demo-Scene war ich zwar in der Schule als Nerd abgestempelt und noch Jahre ohne Freundin, aber ich habe damals den Grundstein für mein Berufsleben gesetzt in dem ich recht erfolgreich bin und das mir sehr viel Spaß macht.
Viele aus der Scene haben Informatik studiert, sind Profi-Musiker geworden (sogar Moby soll der Demo-Scene entsprungen sein, habe ich mal irgendwo gelesen [kann das jemand bestätigen?]) oder sich im Grafik oder Web-Design angesiedelt. Ich kann mir nicht vorstellen, daß einer aus unseren Reihen heute Versicherungsmakler ist.
Ich werde mich die nächsten Wochen näher mit der Demo-Scene von damals befassen und aufklären, wer WIR waren und was wir gemacht haben und schauen, was man alles ergoogeln kann.