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Killer-Märchen

Geschrieben von Sven Jansen am 11.01.2007 in kommentiertes , Papa Blog

[satire]Bevor die politische Diskussion um ein Verbot von "Killer-Spielen" wieder gänzlich aus der Presse verschwindet habe ich da auch noch was dazu zu sagen.

Wenn Killerspiele tatsächlich verboten werden, dann sollten wir aber auch so konsequent sein, sämtliche angeblich Amoklauf-verursachenden Dinge aus dem direkten Zugriff unserer Kinder und Jugendlichen zu entfernen.

Schauen wir uns doch mal in einem typischen Kinderzimmer eines 2 jährigen um. Was finden wir da? Unzählige blutrünstige Märchen und Alt-deutsches-Liedgut aus Zeiten, wo man Kinder noch durch den Aufbau von Angst in Zaum halten wollte.

Ein paar Beispiele:

  • "Hoppe, hoppe Reiter... fällt er in den Graben fressen ihn die Raben!"  
    Man stelle sich diese Szene bitte mal bildlich vor. Ein Reiter liegt mit gebrochenem Bein in einem Graben. Ein Schwarm schwarzer, großer Raben stürzt sich auf den Mann und pickt ihm die Augen aus, reisst Fleisch aus seiner Wange... der Mann versucht aufzustehen, schafft es aber nicht und lässt einen Markerschütternden Schrei los. Also wenn das mal nicht nach Horrorfilm der Klasse FSK 18 klingt, weiss ich auch nicht.

    Warum heißt es nicht: "... dann lachen alle Raben"? (Man mag mich für bekloppt erklären, aber ich habe mir angewöhnt meiner 8 Monate alten Tochter diese Abwandlung vorzusingen)
  • "Hänsel und Gretel"
    Entführung, Brutalität, Kindesmisshandlung und eine alte Dame wird bei lebendigem Leibe in einem Ofen verbrannt. Klingt nach "Schweigen der Lämmer" also auch FSK18.
  • "Aschenputtel"
    Da schneiden sich doch glatt die Schwestern Fusszehen ab um in den blöden Schuh reinzupassen. Sowas soll ich meiner Tochter vorlesen? Das kennen wir doch aus "Saw" = FSK18.
  • "Max und Moritz"
    Werden bei lebendigem Leib in einer Mühle zerfetzt. Na lecker! FSK 18

Da gibt´s bestimmt noch zahlreiche weitere Beispiele für Killer-Märchen und Horror-Lieder (Kommentare willkommen), die wir tagtäglich unserem Nachwuchs ohne nachzudenken zumuten und sie so bereits ohne es zu merken auf die Laufbahn als Massenmörder vorbereiten. Da sind die Killer-PC-Games nun wirklich das kleinste Übel.

Wer jetzt seinem Kind noch zu Weihnachten einen Kosmos Chemie-Baukasten schenkt sollte im Hinterkopf behalten, dass die Stinkbombe von Seite 14 vielleicht nicht die einzige Bombe ist, die der Nachwuchs da im Werk-Keller zusammenmischt.


Nachtrag:
Maya ist natürlich Gegner von Killerspielen und hat sich deshalb auch mein geschenkt bekommenes Gamestar Heft zur Vernichtung unter den Nagel gerissen.

 

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Kommentare zu "Killer-Märchen"

  1. Gravatar
    schrieb am 12.01.2007 10:18:42
    Hmm, ich wäre grundsätzlich deiner Meinung. Doch auch hier muss ich aus eigener Erfahrung feststellen, dass mir Märchen und Kinderlieder nie geschadet haben und mich nicht irgendwie zu nem bösen oder panischen Menschen gemacht haben. Ich glaube, das Hauptargument der Verbotsschreier ist doch der, dass man bei Killerspielen aktiv teilnimmt, während man bei Märchen nur passiv zuhört. Diese Aktivität soll bei Kindern anders aufgenommen werden. Bevor man mir dafür keine Beweise liefert, halte ich demnach ein Verbot von Killerspielen, Märchen, Filmen etc. für unsinnig und ein vernünftiger Umgang mit all diesen Sachen für sinnvoller. Außerdem haben Märchen doch eine tiefere Bedeutung. Sie sollen den Kindern etwas beibringen (brav sein, immer auf die Eltern hören, sonst blüht einem was). Ist also im übertragenen sine pädagogisch, was Killerspiele eben nicht sind und deshalb laut einhelliger Meinung verboten gehört.
    Antworten
     
  2. Gravatar
    schrieb am 15.01.2007 14:08:29
    Killerspiele haben aber auch auch eine tiefere Bedeutung: z.B.: Im Nahkampf ist der Raketenwerfer deutlich besser als die Railgun. Oder: Sieh zu, dass deine Waffe nachgeladen ist BEVOR Du in den Teleporter springst etc. Also die Killerspiele haben mir auch nicht geschadet...
    Antworten
     
  3. Gravatar
    Florian
    schrieb am 17.01.2007 09:07:16
    Also ich kann Maxi nur zustimmen. Wenn ich bei Gothic nicht gelernt hätte nie unbewaffnet und mit zwei gezückten Schwerten in den nächsten Ork-Haufen zu rennen ... ich weiß nicht. Ich gehe auf jeden Fall Samstags nie unbewaffnet mit meiner Frau shoppen (Kinderwagen mit eingebauten Stingerraketen und M16 griffbereit). Man weiß nie wo einem der nächste ADAC- oder Zeitungsfuzzie auflauert, um einem ein lebenslanges Abo aufzuzwingen.
    Antworten
     

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