Stellt euch vor, jeder könnte erfahren, was ihr in eurer favorisierten Suchmaschine in den letzten 6 Monaten eingegeben habt. Keine wirklich tolle Vorstellung, wenn da so Begriffe in der Suchhistorie auftauchen können wie: Fusspilz Spray, günstiger Kredit ohne Schufa, Windelsex oder andere sehr peinliche Dinge. (Nein, daß sind keine Begriffe aus meiner Such-Historie :-) ).
Vor ein paar Tagen hat AOL ein 450MB große Datei (entpackt 2GB!) als "open-source" veröffentlicht. Inhalt: 2 Mio Suchanfragen von 650.000 amerikanischen AOL Kunden.
Die Daten sollten Programmierern als Test-Material für Suchmaschinen-Addons dienen (z.B. Suchbegriff bezogene Werbung).
Vor jeder Anfrage steht eine User-ID, dazu der Begriff und eine Zeitstempel. Da keine User-Namen darin vorkamen waren die Daten in den Augen von AOL anonymisiert. Dabei haben sie etwas sehr offensichtliches übersehen. Die Suchanfragen selbst können genug Informationen enthalten, um eine Person zu identifizieren und ein Profil zu erstellen.
Wenn man z.B. nach einem Namen, einer Schule und einem Ort gesucht hat, lässt sich so der Urheber der Suchanfragen recht gut eingrenzen.
Als AOL darauf aufmerksam gemacht wurde, war es schon zu spät. Die Daten wurden zwar aus dem Netz entfernt, aber innerhalb weniger Stunden standen diese auf Mirror-Seiten zur Verfügung. Es gibt inzwischen sogar schon eine Datenbankanwendung, mit der man die Suchprofile durchstöbern kann.
http://www.aolsearchdatabase.com/
Die erste Identität ist bereits gefunden: (Such-ID: 4417749 ) Thelma Arnold, eine 62 Jahre alte Witwe, die in Lilburn, Georgia / USA wohnt.
Über die Suchanfragen: "numb fingers", "60 single men", "dog that urinates on everything" etc. war die New York Times in der Lage die Person ausfindig zu machen.
AOL ist die Angelegenheit ziemlich peinlich und intern wird der schwarze Peter weitergeleitet. Ich denke mal da rollen auf jeden Fall Köpfe.
Nach diesem vorkommen, kriegt man richtig schiss nach persönlichen Dingen bei Google zu suchen. Vor allem, weil ich bei denen sogar einen Account habe, mit der ich meine eigene Such-Historie anschauen kann. Für`s arbeiten ist das ja sehr praktisch, aber die privaten Suchen sollten doch anonym bleiben. Bei Google ist das wenigstens noch freiwillig, aber bei AOL wird jede Suchanfrage eindeutig einem User zugewisen, ob man will, oder nicht. Das ist natürlich ein Traum für Werbetreibende und ein Albtraum für die User.
Wer sich die Daten mal anschauen will, schaut hier vorbei:

Kommentare zu "AOL veröffentlicht ungefragt private Daten!"